AUF KOMMENTAR ANTWORTEN
Schlafen oder wachen?
Zum ersten Mal darf ich die Zeit in Santiago fühlen. Noch eine Stunde, dann erwacht die Stadt. Ich habe dich im Schlaf beobachtet, Santiago. Du hast dich müde getanzt. Zu Musik, für die meine Hüften nicht schnell genug schwingen. Bewundernde Blicke für Paare, die ihre Liebe Wange an Wange genießen. Geschlossene Augen zu stillem Lächeln. So leicht geht Vergessen. Du musst nur die richtige Person im Arm und Salsa-Rhythmen im Ohr haben.
Hinaus auf die Straße. Die Hitze des Tages steigt über die Berge. Zu den Sternen. Ich über den Dächern unter schwarzem Himmel. Kaltes Glas in der Hand. Mit süßem Getränk, das mich nicht wärmt. Noch sechs Stunden bis ich dich verlassen muss, Santiago. Zu wenig Zeit, um diese Nacht wie jede zu beenden. Deshalb wache ich und schlafe nicht. Es regnet Nebel. Die Zeiger stehen still. Meine Gedanken gehen von hier bis zur nächsten Minute. Selten so leer gewesen in den letzten zwei Wochen. Denn du hast mir immer zu denken gegeben, Santiago. Wieso es Tomás so viel besser geht als Giovanni. Weshalb sich Felipe ein Chile wünscht, in dem alle Menschen gleich sind, und zu wenige dafür kämpfen, dass dieser Traum wahr wird. Warum ich nicht aufhören kann von Valparaiso zu träumen.
Die Welt ist ein schmaler Streifen zwischen halbgeschlossenen Lidern. Ich möchte sehen, wie der neue Tag beginnt. Zeig mir noch einmal dein schönstes Lächeln. Strahle unter blaubem Himmel. Lüfte den Smogschleier und lass mich noch ein letztes Mal die Anden zwischen den Häusern sehen. Ich bin bereit. Bin wach. Bin zu müde, um traurig zu werden. Die ersten Hunde wagen sich aus ihren Verstecken. Der Tag beginnt. Danke, für diese letzte Nacht mit dir. Santiago.
